Biographisches zum Leben von T. G. Masaryks
Tomáš Garrigue Masaryk, wurde am 7. März 1850 im mährischen Hodonín, (Göding) geboren. Er entstammte einer armen und einfachen Familie. Sein Vater Josef, ein Herrschaftskutscher, war Tscheche, seine Mutter deutschsprachig. Er studierte in Brünn und Wien, und drei Jahre nach der Promotion (1876) habilitierte er sich mit einer sozialpsychologischen Arbeit. 1882 erhielt er eine Professur an der tschechischen Universität in Prag. Während dieser Zeit warf er sich unter anderem „(...) mit seltenem moralischem Mut einer antisemitischen Welle entgegen, die durch das Gerücht über einen Ritualmord in dem mährischen Ort Polna ausgelöst worden war.“ 1891 wurde er als Vertreter der Jungtschechen Mitglied des österreichischen Reichsrates, trat aber zwei Jahre später zurück, um sich der politischen Bildung der Tschechen zu widmen. Als „kritischer Realist" setzte er sich mit dem Erbe der tschechischen politischen Romantik aus der Zeit der nationalen „Wiedergeburt" auseinander. Im Jahr 1900 gründete er seine eigene Partei, die linksorientierte „Tschechische Volkspartei" (ab 1905 „Tschechische Fortschritts- oder Realistenpartei"). Es war eine der kleinsten Gruppierungen im österreichischen Parlament. Als Führer der „Realistenpartei" wurde er 1907 erneut in den Wiener Reichsrat gewählt und kämpfte dort gegen die österreichische Allianz mit Deutschland und dessen aggressiver Politik auf dem Balkan.
Seine parlamentarische Tätigkeit bis 1913 zeichnete sich vor allem durch eine Undoktrinäre und realistische Einstellung zur nationalen Frage aus. Sein politisches Programm beruhte auf der Überzeugung, daß die tschechische Sache nicht auf den historischen Privilegien des böhmischen Staatsrechts, sondern auf der gleichberechtigten Stellung des tschechischen Volkes unter allen anderen gleichberechtigten österreichischen Nationalitäten aufgebaut werden müsse. Ähnlich wie Palacký war er von der österreichischen Reichsidee (Austroslawismus) fasziniert aber er bekämpfte die undemokratische Nationalitätenpolitik der führenden Politiker in Wien und Budapest. Während des Ersten Weltkrieges (1915), floh er aus Österreich nach Italien und in die Schweiz, ließ sich später in London nieder und erhielt am King’s College in Newcastle upon Tyne einen Lehrauftrag.
Masaryks Staatsphilosophie war antiautoritär und hatte stets das Ideal der „Humanität" als Vorbild. Er war ein Propagandist der tschechischen Eigenstaatlichkeit, was ihn schließlich in die Arme der westlichen Alliierten trieb. 1917 organisierte er aus Überläufern und Gefangenen die Tschechische Legion in Rußland, 1918 handelte er den Pittsburger Vertrag zwischen tschechischen und slowakischen Emigranten aus und im Oktober dieses Jahres wurde er Präsident einer provisorischen Regierung.
Bis 1914 bestand Masaryks großer Beitrag zur Entwicklung der Nationalitätenfrage im Habsburgerreich weniger in einer aktiven politischen Führung als in seinem geistigen Einfluß. Er wirkte durch seine Persönlichkeit als Philosoph, Lehrer und Wissenschaftler auf die tschechische und auch auf die jugoslawische junge Intelligenz. Viele später bekannte Politiker aus den südslawischen Gebieten der Monarchie standen zwischen 1895 und 1912 unter Masaryks Einfluß ( unter anderem Stjepan Radic, Svetozar Pribicevic, Josip Smodlaka). Masaryk selbst hat sich wiederholt mit dem Problem der südslawischen Gebiete beschäftigt. Ende 1912 versuchte Masaryk vergeblich, zwischen Außenminister Graf Berchtold und dem serbischen Ministerpräsidenten Nikola Pasic zu vermitteln. Auch ein kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges unternommener Versuch, Serbien und Bulgarien einander anzunähern, blieb erfolglos.
Während seiner Emigration ab Dezember 1914 stand er in engem Kontakt zum Südslawischen Komitee in London (Franjo Supilo, Ante Trumbic u. a.) sowie zu mehreren serbischen Diplomaten und einflußreichen britischen Persönlichkeiten, wie zum Beispiel zu dem Historiker und Publizisten Robert William Seton-Watson, einem Kenner der Nationalitätenprobleme im Donauraum. Masaryk betrachtete Serbien als Kristallisationszentrum eines künftigen südslawischen Staates und führte in diesem Sinn Gespräche mit dem serbischen Thronfolger und dem Ministerpräsident Pasic. In Unterredungen mit Trumbic und dem rumänischen Politiker Take lonescu in Paris wurden
außerdem bereits die Grundrisse der künftigen Kleinen Entente vorgezeichnet, deren Mitglieder durch einen „Korridor" zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien eng miteinander verbunden werden sollten . Das hohe Ansehen, das Masaryk nach Kriegsende im neuen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen genoß beruht auf seinen Aktivitäten in der Emigration, die erheblich zur Vorbereitung der Nachkriegsordnung beigetragen hatten. Als eigentlicher Gründer der Tschechoslowakei wurde er 1918, 1920, 1927 und 1934 zum Staatspräsidenten gewählt. Im Dezember 1935 trat er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Masaryk starb am 14. September 1937 in Schloß Lany bei Prag.
Lesen Sie hier bitte hier weiter, wenn Sie die prägenden Einflüsse auf Masaryks Charakter und seine politische Philosophie interessieren.
