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23.9.2017 : 23:43 : +0200

Die Hochfläche der Drei Zinnen in den Sextener Dolomiten

Die Drei Zinnen (italienisch: Tre Cime di Lavaredo) liegen nordöstlich von Cortina D' Ampezzo. Es sind drei riesige, freistehende Türme aus Kalkstein von denen der größte eine Höhe von 2.999 Metern erreicht. Diese drei Gipfel gehören sicher zu den schönsten und bekanntesten Bergen sowohl in den Dolomiten als auch in dem gesamten Alpenraum.


Größere Kartenansicht

Im obigen Kartenausschnitt ist mittig ganz links der Dürrensee (Lago di Landro) und von dort das nach rechts (Richtung Westen) verlaufende weitverzweigte Rienztal zu sehen. Rechts unten, leicht kreisförmig die Drei Zinnen mit ihrem imposanten Schattenwurf.

In dem halben Jahrhundert vor dem Ersten Weltkrieg, erreichte die Drei Zinnen Gruppe mit den umliegenden Gipfeln große Berühmtheit, weil sie für den neuen "Modesport" des vertikalen Kletterns ein ideales Terrain darstellte.

Der Erste Weltkrieg machte schließlich aus der herrlichen Natur eines der wahrscheinlich surrealsten Schlachtfelder der Geschichte.

Drei Zinnen mit österreichischen Schützengräben im Vordergrund

Im Mai 1915 begann der Kriegslärm auch in den Dolomiten. Italienische Alpini und österreichische Standschützen kämpften um die Kontrolle der Gipfel. Jeder hohe und einzeln stehende Berg war ein idealer Beobachtungsposten, von dem aus jede Bewegung des Feindes beobachtet und Angriffe koordiniert werden konnten. Das feindliche Geschützfeuer konnte jeden Transport und die Versorgung in diesen Bergen zum erliegen bringen.

Das Drei Zinnen Plateau von Süden mit der Drei Zinnen Hütte (Rifugio Locatelli).

 

 

Österreichische Schützengräben und Steinarmierungen.

Die Drei Zinnen wurden zu einer italienischen Festung, die mit Kanonen, Scheinwerfern und Maschinengewehren bestückt war. Der Rundumblick im Gelände war atemberaubend. Die österreichischen Streitkräfte bauten ihre eigenen Verteidigungsstellungen in den Schwabenalpenkopf und den Rautkofel. Hier gab es - ähnlich wie an den anderen Fronten - Batterien mit Kanonen, Mörserstellungen, Schützengräben und Felder von Stacheldraht.

Der Paternkofel mit Paternsattel im Anschluss.

 

Der österreichische Beobachtungsstand befand sich auf dem Torre di Toblin (Toblinger Knoten 2.613 m). Ihm gegenüber lag der italienischen Vorposten auf dem Monte Paterno (Paternkofel 2.746 m). Der große Nachteil der österreichischen Truppen war, dass sie stets tiefer lagen als ihre Gegenspieler und somit gut eingesehen werden konnten. Dies war oft tödlich, da die Italiener über hervorragende Scharfschützen verfügten. Alles hing davon ab, den Paternkofel zu neutralisieren. Eine Eroberung setzte allerdings außergewöhnliche Kletterfähigkeiten voraus. Der renommierte Bergführer und Wirt der Drei Zinnen Hütte, Sepp Innerkofler, wurde mit dem Unternehmen betraut. Ihm und seinen Soldaten war kein Erfolg vergönnt. Hunderte Soldaten ringsum konnten zusehen, wie Innerkofler in einem Sturm von Maschinengewehrfeuer schließlich vom Felsen abglitt. Die Ursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die offizielle Lesart ist, dass er von einem, durch einen italienischen Alpini geworfenen, Felsblock erschlagen wurde. Schon kurz nach seinem Tod hat sich allerdings die Meinung verbreitet, dass er durch das eigene Maschinengewehrfeuer (also friendly fire) umkam.

Der alpine Winter begann bereits im September 1915 und taktische Operationen kamen großteils zum erliegen. Für beide Seiten stand das simple Überleben in der unwirtlichen Natur im Vordergrund. In den nächsten Jahren gab es mehrere Gefechte rund um die Gipfel, Kämme und Täler der Drei Zinnen Gruppe. Schließlich blieb es bei einem tödlichen Patt. Erst im November 1917 wurden die Italiener in Folge der XII. Isonzoschlacht gezwungen, ihre Stellungen in den Dolomiten zu räumen und zogen nach Süden ab. Die Natur der Dolomiten versank wieder in der ihr eigenen großen Stille.

Heute sind die Schützengräben, Tunnel und Eisenleitern stumme und allgegenwärtige Zeugen, die den Besucher an die erbitterten Kämpfe erinnern.

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