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23.11.2017 : 8:15 : +0100

Dem Ende entgegen

Die letzte Österreichisch-Ungarische Offensive fand im Juni 1918 statt. Aufgrund der unterschiedlichen Vorstellungen der beteiligten Heeresgruppenkommandanten (Conrad und Boroevic) kam es zu keiner echten Schwerpunktbildung und zu einer Verzettelung der wenigen Reserven. Ein Ablenkungsangriff vom Tonalepaß bis an die Schweizer Grenze begann am 13. Juni, scheiterte aber an der heftigen italienischen Abwehr. Die Italiener hatten aus ihren Fehlern gelernt und neben gut ausgebauten und getarnten Stellungen auch alle Vorkehrungen für einen Gasbeschuss getroffen. Dazu wurden sie von französischen und britischen Truppen unterstützt. Das schwer gangbare Grappa- Massiv und unübersichtliches Gelände (Maisfelder und Weingärten) sowie der Hochwasser führende Piave machten ein Vorankommen fast unmöglich. Mit der Räumung der letzten Brückenköpfe südwestlich des Piave bis zum 6. Juli galt die Offensive als gescheitert. Der Zerfall der Armee und des Kaiserreiches Österreich-Ungarn bahnte sich an.

Nach der gescheiterten österreichischen Junioffensive eröffnet Italien Ende Oktober im Gebiet des Monte Grappa den Gegenstoß. In einer umfassenden Offensivbewegung wurde ab 1. November das Trentino in die Endschlacht miteinbezogen. Schon am 30. Oktober hatte Österreich um einen Waffenstillstand ersucht, der von Italien für den 4. November ab 15 Uhr gewährt wird. Das Armee Oberkommando (AOK) teilte hingegen allen österr.-ungar. Truppen mit, dass in der Nacht von 3. auf 4. November ab Mitternacht alle Waffen niederzulegen seien. So kam es dazu, dass die schnell vorrückende italienische Armee am 4. November über 350.000 Angehörige der K.u.k Armee ohne Gegenwehr gefangen nehmen konnte, wodurch zwischen 24. Oktober und 11. November insgesamt 436.674 Soldaten in italienische Gefangenschaft geraten waren.

In den Darstellungen über den Waffenstillstand wird meist von einem Rätsel und vom Verrat Italiens berichtet. In Wahrheit waren die Einzelheiten und Durchführungsbestimmungen für den Waffenstillstand exaktest, ohne jeden Irrtum und völlig logisch und klar aufgelistet. Das Verschulden lag eindeutig beim österreichischen AOK, das den Termin falsch ausgelegt hatte und der Armeewitz `AOK heiße Alles-ohne-Kopf´ hatte sich bewahrheitet. Einen möglichen, wenngleich drastischen Erklärungsversuch gibt der damalige General der Reserve Emil Ratzenhofer:

„Sie [die Mitglieder des AOK; Anm. d. Verf.] haben die Wut der hungernden und plündernd heimkehrenden Massen gefürchtet, riefen harte Kritiker der Heeresleitung, der Generalität und militärischen Ordnung, denn sie fürchteten die Rache der gequälten an jenen, die sie zur Schlachtbank geführt hatten. Daher hat das Oberkommando die Festhaltung von Hunderttausenden herbeigeführt, Sie haben die Gefangennahme gewünscht, weil sie sich außerstande sahen, die zurückströmenden Massen zu versorgen und weil der Radikalismus der ausgehungerten Heimgekehrten das politische Pendel noch weiter nach links geworfen hätte.“