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23.11.2017 : 8:14 : +0100
Nach John Heartfields Fotomontage

 

Die Beschäftigung mit Krieg in all seinen Schattierungen auf diesen Seiten dient lediglich wissenschaftlichen und historischen Zwecken. Krieg ist Grausamkeit pur und bringt die niedersten Instinkte des Menschen zum Vorschein. Dennoch ist Krieg ein Element der menschlichen Entwicklung, das aus der Geschichte nicht wegdiskutiert werden kann und darf. Ohne die Betrachtung der militärischen und politischen Ereignisse in Südtirol während des Ersten Weltkrieges ist die Entwicklung dieser und der angrenzenden Regionen nicht zu verstehen.

Einen der eindringlichsten Apelle gegen den Krieg hat der französische Schriftsteller und Kriegsteilnehmer Henri Barbusse (1873-1935) zu Papier gebracht. Lassen wir ihn mit seinem Werk Le feu selbst zu Wort kommen:

Das sind nicht Soldaten: Das sind Menschen. Es sind keine Abenteurer, keine Krieger, die fur dieses Menschenschlachthaus - als Schlächter oder als Schlachtvieh - geboren sind. In den Uniformen stecken Bauern und Arbeiter. Es sind entwurzelte Bürger. Sie stehen bereit, warten auf das Zeichen des Todes, urn zu morden; aber wenn man an den blitzenden Seitengewehren vorbei ihre Gesichter betrachtet, sieht man, daß es einfach Menschen sind.
Jeder weiß, daß er seinen Kopf, seine Brust, seinen Bauch, seinen ganzen Leib schutzlos den schon auf ihn gerichteten Gewehren, den Granaten, den auf-gestapelten und bereits wartenden Handgranaten entgegenträgt und besonders den methodisch arbeitenden und fast unfehlbaren Maschinengewehren - all dem, was dort in fürchterlichem Schweigen auf ihn lauert -, ehe er auf die andern Soldaten treffen wird, die er töten muß. Sie werfen ihr Leben nicht von sich wie Banditen, und der Zorn macht sie nicht blind wie Wilde. Trotz der Propaganda, die sie über sich ergehen lassen müssen, sind sie nicht kampfbegeistert. Sie stehen über instinktiver Leidenschaft. Sie sind nie im Rausch, weder physisch noch moralisch. Im vollen Bewußtsein, wie in voller Kraft und Gesundheit drängen sie sich hier, um noch einmal die wahnsinnige Rolle zu spielen, die ihnen ein Teil der Menschen aufgezwungen hat. Und man vernimmt die Gedanken, die Angst und ihre Abschiedsworte aus ihrem Schweigen, ihrer Reglosigkeit und aus der krampfhaften Ruhe, die ihre Gesichter in übermenschlicher Anstrengung zusammenhält.

Dieses Zitat entstammt: Henri Barbusse, Le Feu. Das Feuer. Tagebuch einer Korporalschaft, Berlin 1973, S. 393