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23.9.2017 : 23:52 : +0200

Der Kriegsbeginn und der Verlauf der neuen Front

Österreich-Ungarn war an der neuen Südwestfront stark unterlegen. Die Elitetruppe Tirols, die Kaiserjäger, standen in Galizien oder Serbien und wurden dort teilweise aufgerieben. Dem Landesverteidigungskommando mit dem General der Kavallerie (GdK) Viktor Graf Dankl an der Spitze standen nur die kurzfristig aufgebotenen und schlecht ausgerüsteten Standschützen und das zu Hilfe eilende Deutsche Alpenkorps zur Verfügung . Dabei durften die Deutschen nur innerhalb Österreich-Ungarns kämpfen und keinesfalls die italienische Grenze überschreiten, da Italien dem Deutschen Reich erst am 27. August 1916 den Krieg erklärte. Ein zahlenmäßiger Vergleich der Stärkeverteilung ergibt auf österreichisch-ungarischer Seite etwa 224.000 Feuergewehre, 3.000 Reiter und 640 mobile Geschütze (plus Festungsartillerie); auf italienischer Seite etwa 460.000 Gewehre und 1.810 Geschütze.


Die Tiroler Front führte von der Schweizer Grenze, der Dreisprachenspitze (2.843 m), am Stilfser Joch hoch über die Dreitausender der Ortler- und Cevedale-Gruppe hinab zum Tonale Pass (1.883 m), dann wieder hinauf zu den Dreitausendern der Presanella- und Adamello- Gruppe und hinunter nach Judicarien ins Adanatal (540 m), über einige Zweitausender zum Gardasee (68 m) und ins Etschtal (190 m). Dieser Abschnitt, war der längste, ununterbrochene hochalpine Frontabschnitt der Geschichte, mit einer Durchschnittshöhe von ca. 2.980 m. Vom Etschtal führte die Widerstandslinie auf die Hochfläche der Sieben Gemeinden (sette communi) auf über 1.500 m Höhe, hinab ins Valsuganatal (440 m), entlang den Gipfeln des Lagazuoi- Kammes (ca. 2.500 m) und der eisigen, vergletscherten Marmolata (3.342 m) ins Buchenstein- (Cordevole) Tal (1.500 m) und weiter über den später so heiß umkämpften Col di Lana (2.462 m), die Cristallo- Gruppe auf das Drei-Zinnen-Plateau (2.600 m) und hinunter ins Sextental. Diese Südtiroler Front war eingeteilt in fünf Rayone (= Abschnitte). Weiters standen sich die Truppen in den Karnischen und Julischen Alpen (2.500-2.700 m) sowie der Kärtner Grenze und dem Isonzo bis zur Mündung folgend auf der Linie Flitsch-Karfreit-Tolmein-Görz-Gradisca gegenüber.

Der Operationsplan des italienischen Generalstabschefs Graf Cadorna sah vor, den Hauptstoß über den Isonzo und die Julischen Alpen Richtung Laibach-Krainburg (2. und 3. Armee) zu führen. Dies bot die Möglichkeit, mit Russen und Serben zusammenzuwirken. Andererseits beinhaltete dies eine beträchtliche Bedrohung der Flanke. Ein österreichischer Vorstoß aus Südtirol hätte die kurze Linie Trient-Venedig sperren können und somit wäre die italienische Hauptstreitmacht in Ostvenetien isoliert worden. Um dies zu verhindern wurde die komplette 1. Armee abgestellt um Südtirol fest zu umschließen. Die Alternative einer Offensive nach Tirol hinein verwarf Cadorna, da er keine langwierigen Hochgebirgskämpfe führen wollte.