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23.9.2017 : 23:53 : +0200

Die Südtirol Offensive 1916 auf den Hochflächen

Stellungen auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden

Im Vergleich zu den Isonzoschlachten blieb es im Südtirol des Jahres 1915 relativ ruhig. Es war der `Krieg der Bergführer´. Patrouillen, Gruppen und Züge zwischen zwei und vierzig Mann klärten auf und besetzten Höhenstellungen zur Beobachtung und Verhinderung der Umgehung von Talstellungen und Sperrforts. In den Dolomiten wurde zu dieser Zeit der Mythos des Sextener Bergführers Sepp Innerkofler geboren, der bei der Erstürmung des Paternkofels am 4. Juli 1915 getötet wurde. Ziel der Südtirol Offensive  war es nun, den in Venetien und am Isonzo stehenden italienischen Truppen in den Rücken zu fallen. Es war ein Alleingang Conrads, ohne Unterstützung des deutschen Verbündeten.

Der Angriff sollte von zwei hintereinander gestaffelten Armeen geführt werden. Die 11. Armee (GdK Dankl) sollte den Austritt aus dem Gebirge erzwingen und die 3. Armee (Generaloberst Kövess) den Vorstoß in die Venetische Tiefebene führen. Der Zeitplan des präzise geplanten Aufmarsches geriet aber schon im März 1916 durch heftige Schneefälle durcheinander. Dem zerklüfteten und schwer gangbaren Gelände wurde in der Planung zuwenig Rechnung getragen. Der Überraschungseffekt ging verloren. Obwohl rund 10.000 Tonnen Munition und mehr als 3.000 Tonnen technisches Material in die Bereitstellungsräume Folgaria und Lavarone befördert worden waren fehlte es schon sehr früh an Artillerieunterstützung. Der Kampf um einzelne Berggipfel und Felsennester ermöglichte nur ein langsames Vorrücken. Statt schnell in die Täler vorzustoßen wurde versucht, die beherrschenden Höhenzüge zu sichern. Am 8. Juni lief sich der Angriff am Südrand des Beckens von Asiago im Feuer der italienischen Artillerie fest. Die österreichischen Angriffskräfte hatten sich als zu schwach erwiesen. Da an der Ostfront Anfang Juli die russische Brussilow Offensive einsetzte wurde ein Teil der k.u.k. Truppen verlegt und ein Großteil des gewonnenen Gebietes musste wieder aufgegeben werden. Während auf die etwa 200.000 Mann der Angriffsverbände rund 30.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Vermissten entfielen, lagen die italienischen Verluste mehr als doppelt so hoch (davon ca. 40.000 Gefangene).


Für das Scheitern der Offensive können zwei Gründe aufgeführt werden: erstens die Zersplitterung der K.u.k. Truppen in zwei hintereinander stehende Armeen, wobei sich die große zahlenmäßige Unterlegenheit besonders bemerkbar machteDie Offensive . Zweitens das direkte Eingreifen des Armee Oberkommandos (AOK) in die operativen Planungen. Das AOK befand sich im 700 Kilometer entfernten Teschen und vieles sah auf den dortigen Lagekarten günstiger als in Wirklichkeit aus. Die Schwierigkeiten des Angriffsgeländes und die italienische Widerstandskraft wurden dort unterschätzt und die topographischen Gegebenheiten konnten nur erahnt werden.

 

Karte zur K.u.k. Offensive 1916 aus Südtirol