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23.9.2017 : 23:46 : +0200

Italien und die Mächte: Bündnisse und Mächtekonstellationen

Das Königreich Italien war seit dem 20. Mai 1882 mit den beiden Kaiserreichen Deutschland und Österreich-Ungarn im Dreibund vereint. Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. hofften, dadurch den ‘sacro egoismo’ Italiens in Schach zu halten, nachdem dieser 1859 und 1866 zum Verlust der Lombardei und Venetiens geführt hatte.


Italien erklärte am 3. August 1914 seine Neutralität, da es von Österreich das Dreibund Übereinkommen missachtet sah, wonach die Unterzeichnerstaaten einander konsultieren müssten, ehe sie irgendwelche kriegerischen Handlungen unternähmen. Von diesem Zeitpunkt an begannen sich beide Kriegsblöcke auf diplomatischer Ebene intensivst um Italien zu bemühen. Zur Jahreswende 1914/15 begann Italien aber immer unverhohlener, im Gegenzug für die Neutralität österreichische Gebiete zu fordern: Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie Teile von Dalmatien. Deutschland drängte dabei seinen Partner Österreich auf die italienischen Forderungen einzugehen. Der preußische Kriegsminister Wild von Hohenborn formulierte das weitverbreitete Denken: „An sich könnte es uns ja wurscht sein, ob Italien von dem sterbenden Kamel Österreich ein Stück Schwanz mehr abhackt oder nicht, aber die militärische Lage verschärft sich durch das Eingreifen Italiens doch bedenklich.“ Man kritisierte die als hochmütig und verbohrt angesehene Haltung am Ballhausplatz. Das resultierte aus der deutschen Verständnislosigkeit für die inneren Probleme der Habsburgermonarchie, gekennzeichnet durch die komplizierten Zusammenhänge zwischen Staat und Nationalitätenproblem.

Italienische Gebirgsartillerie auf 2.600 Metern Höhe in den Dolomiten

Kaiser Franz Joseph I. erklärte sich schließlich zur Abtretung des italienischsprachigen Teiles von Südtirol (das heutige Trentino) und von den italienischen Städten in der Gradiska bereit, mit einem Sonderstatus (Freihafen) für Triest. Er verweigerte jedoch die Zession des deutsch besiedelten Südtirols. Daraufhin schloss Italien am 3. Mai 1915 mit den Alliierten einen Geheimvertrag, der ihm die geforderten Gebiete in Tirol, am Isonzo und in Dalmatien zusprach, wenn es innerhalb von vier Wochen der Donaumonarchie den Krieg erklärte. Infolgedessen trat Italien am 4. Mai 1915 aus dem Dreibund aus und erklärte am 23. Mai 1915 seinem ehemaligen Bundesgenossen Österreich-Ungarn den Krieg . Dies kann nicht ganz überraschend gekommen sein, da der österreichische Militärattaché in Bern Berichte nach Wien übersandt hatte, die detailliert auf italienische Truppenaushebungen eingingen und den Monat Mai als kritischen Monat hervorhoben. Der österreichische Nachrichtendienst profitierte sehr von seinen Schweizer Kontakten, erinnert sei hier an die Obersten Affäre von 1916 um den Chef des eidgenössischen Nachrichtendienstes Oberst Egli.


Der Wortbruch Italiens rief in ganz Österreich-Ungarn eine Welle der Entrüstung, zugleich aber auch eine erneute Kriegsbegeisterung –vor allem für den `gerechten Krieg gegen den Erzfeind´- hervor. Die K.u.k. Kriegspropaganda erreichte daraufhin einen Höhepunkt, nachdem sie sich während der Verhandlungen ruhig verhalten hatte, um diese nicht zu gefährden-. Noch am selben Tag antwortete Kaiser Franz Joseph mit einem Manifest `An meine Völker´ indem er von Italien sagt es habe „(...) Uns (...) in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager Unserer Feinde übergegangen.“